Nervesa della Battaglia (Italien) – Zwischen den Bäumen steht ein Freizeitpark, wie ihn kein Computer planen könnte. Kein blinkender Hightech-Tempel, keine Achterbahn mit App, kein winkendes Maskottchen und schon gar keine Marketing-Abteilung. Stattdessen Eisen, Holz, Seile, Schweißnähte und sehr viel Herz. In Ai Pioppi nahe Nervesa della Battaglia quietschen und klappern die Fahrgeschäfte, brauchen noch nicht einmal Strom. Dieser magische Ort ist das Lebenswerk von Bruno Ferrin (89) – und einzigartig in Europa.
Angefangen hat alles im Juni 1969, ganz bescheiden: ein Pappelwäldchen, ein paar Tische, Wein, Salami. Bruno Ferrin und seine Frau Marisa Zaghis eröffneten eine einfache Osteria. Die ersten Gäste sollen gestaunt haben, wie schnell das ging. Vielleicht war genau das der erste Zauber dieses Ortes: Aus fast nichts wurde etwas – und bis heute läuft das Lokal in der Provinz Treviso gut.
So wurde der Freizeitpark geboren
Der zweite Zauber steckte im Eisen. Ferrin brauchte Haken, um Ketten zu befestigen. Ein Schmied hatte keine Zeit und sagte sinngemäß: Wenn du schweißen kannst, mach es selbst. Und das tat er, verbrannte sich dabei leicht die Haut und die Augen. Aber am Ende stand die erste Schaukel, und eine Leidenschaft war entfacht. Aus den ersten Spielgeräten wurde nach und nach ein Freizeitpark, der heute 30.000 Quadratmeter groß ist und am Wochenende rund 3000 Gäste anzieht.
Gäste werden Teil der Attraktionen
Ai Pioppi ist längst Sehenswürdigkeit und Wunderland der Muskelkraft. Die rund 50 Fahrgeschäfte sind handgebaut, viele aus Altmetall, das hier ein zweites Leben bekam. Bobbahn, Riesenrad und Karussells laufen ohne Elektrizität: Man schiebt, tritt, zieht, klettert – und dann übernehmen Schwerkraft, Schwung und Mut.
Genau das macht den Reiz aus. Wer hier fährt, ist nicht bloß Passagier. Er ist Teil der Maschine. Die Räder quietschen, die Wagen rattern. Erwachsene werden wieder zu Kindern. Nichts kommt aus der Fabrik, nichts ist perfekt. Die Attraktionen sehen aus wie Ideen, die jemand so lange liebhatte, bis sie fahren konnten. Hinzu kommen Klettergerüste und Rutschen. Einzig der Wagen der Achterbahn wird mithilfe eines Motors nach oben gezogen.
Park soll Freude schenken und kostet nichts
Für seine Konstruktionen beobachtete der heute 89-Jährige Bewegungen in der Natur: einen fallenden Ast, einen Vogel am Himmel, einen Stein, der hinabrollt. Er denkt weiter und schmückt seinen Traum bis heute aus. Zwar hätten die Kräfte mit dem Alter etwas nachgelassen, doch sei die Begeisterung dieselbe geblieben.
Seit einigen Jahren arbeitet Ferrin hin und wieder mit seinem Schwiegersohn und seinem Neffen zusammen. Und vielleicht ist das die schönste Attraktion von Ai Pioppi: Er soll jetzt und auch künftig anderen Freude schenken. Darum ist der Eintritt für den Freizeitpark auch komplett kostenlos. Wer im angeschlossenen Restaurant etwas isst oder trinkt, darf die Fahrgeschäfte benutzen.