Berlin – Nach dem tödlichen Islamisten-Anschlag auf den Berliner CSD erhebt die renommierte iranisch-amerikanische Journalistin und Oppositions-Aktivistin Masih Alinejad (49) schwere Vorwürfe gegen die deutsche Politik. Eine der bekanntesten und mutigsten Gegnerinnen der iranischen Mullahs hält Regierung, Medien und muslimischen Verbänden vor, die Gefahr des Islamismus zu verharmlosen – und fordert ein deutlich härteres Vorgehen der Behörden.
Zwei Streifenwagen parken vor dem Berliner Hotel, in dem das Interview mit Masih Alinejad stattfindet. Ein halbes Dutzend Beamte des Landeskriminalamts begleitet sie auf Schritt und Tritt. Als die iranische Journalistin kurz nach dem CSD-Attentat (1 Tote, 31 Verletzte) in Berlin ankommt, hat sie nur eine Frage an die Polizei: „Ist er noch frei? Läuft er noch durch die Stadt?“ Alinejad steht auf der Todesliste der Mullahs. Dreimal haben Attentäter sie in ihrer neuen Heimat New York schon aufgespürt. Dreimal konnte das FBI die Anschläge in letzter Sekunde verhindern.
Alinejad: Schluss mit der politischen Korrektheit
Sie lebt seit Jahren unter dem Terror des Islamismus – und rechnet mit der deutschen Politik und Medienlandschaft ab. Schon zu Beginn des Gesprächs fragt sie: „Kann ich bei BILD sprechen, ohne zensiert zu werden?“ Viele Medien würden sie als Opfer einladen. Aber wenn sie dann über die Täter spricht, werde sie plötzlich abgewürgt. „Man sagt mir, die Rechten könnten es ja gegen Muslime benutzen. Das bricht mir das Herz. Mein Haus brennt. Meine Familie brennt. Mein Volk wird gehängt. Und ihr gebt mir nicht einmal die Bühne, um zu erzählen, was passiert.“
Diese Nachsicht zerstöre die Lebensweise der Deutschen: „Islamismus ist wie ein Krebsgeschwür, das sich ausbreitet und am Ende eure Demokratie vernichtet – wenn ihr euch nicht zusammentut, um diesen Krebs zu entfernen.“ Ihre Forderungen an Deutschland und Europa: Schluss mit der politischen Korrektheit, wenn es um Islamismus, Scharia (streng islamische Rechtsprechung) und Gewalt gegen Frauen und Minderheiten geht. Und: „Schluss damit, dass Europa und vor allem die Bundesregierung islamistische Vereine finanzieren.“ „Blumen, Fahnen auf Halbmast und Verurteilungen werden keinen Terroristen stoppen. Nur echtes Handeln hat Konsequenzen.“
Neben ihr sitzt Kosar Eftekhari, 27 Jahre alt. Eine junge Iranerin, die den Preis des Widerstands gegen den Islamismus für immer im Gesicht tragen wird. Kosar demonstrierte im Iran gegen die Revolutionsgarden. Dann schossen die Schergen des Regimes. Eine Kugel traf sie ins rechte Auge. Seit zweieinhalb Jahren lebt Kosar in Berlin. Noch heute zucke sie zusammen, wenn sie „Allahu Akbar“ hört. „Dieser Ruf klingt nach Hinrichtung.“
„Die muslimische Minderheit hier hat alles“
Kosar ist fassungslos, was sie in Deutschland sieht: Menschen, die nie unter den Mullahs leben mussten, liefen mit den Flaggen und Parolen des Terrorregimes durch Berlin. Und ausgerechnet Teile der LGBTQ-Szene würden Bewegungen verteidigen und verharmlosen, unter deren Herrschaft sie selbst hingerichtet werden würden.
„Es ist eine Kapitulation im Kopf“, sagt Masih Alinejad. Deutschland habe die Erzählung den Islamisten überlassen. Von den Muslimen in Deutschland hätte sie sich eine Reaktion auf den CSD-Terror gewünscht: „Die muslimische Minderheit hier hat alles. Sie hat Moscheen. Sie hat Freiheit. Sie kann zur Schule gehen. Sie kann studieren. Sie wird nicht gehängt. Warum gehen muslimische Verbände nach einem islamistischen Anschlag nicht auf die Straße?“
Dass CSD-Terrorist Abdul Ballout von der deutschen Justiz vor seiner Tat auf Bewährung freigelassen wurde, ist für sie der blanke Wahnsinn. „Die Islamisten rekrutieren Kinder und Jugendliche, formen sie ideologisch und schicken sie zurück in den Kampf. Wenn ihr sie freilasst, werden sie von Islamisten als Helden empfangen, erneut radikalisiert und wieder losgeschickt.“ Bekannte radikale Islamisten dürften nicht frei durch Deutschland laufen. Es brauche neue Gesetze, die genau diese Taktik des Islamismus erkennen und bekämpfen. Und kein Cent deutscher Steuergelder dürfe an Strukturen gehen, die Jugendliche radikalisieren oder Islamismus verharmlosen.