Berlin – Sie ahnten nichts, wollten einen netten Abend verbringen, vielleicht ein Glas trinken. 22 Frauen wurden zu Opfern schwerster Verbrechen – teilweise ohne es zu merken. Jede einzelne hat Frank S. zwischen 2016 und 2022 betäubt, vergewaltigt und gefilmt.
Es sind Anklagepunkte, die an das Grauen des Falles Pelicot erinnern. Über 10 Jahre war Gisèle Pelicot von ihrem Mann heimlich mit Medikamenten betäubt und im Internet fremden Männern zur Vergewaltigung angeboten worden.
Es standen zunächst noch mehr Taten im Raum
Seit Donnerstag muss sich Frank S. (68), ein Elektriker aus Berlin-Lichtenberg, neben Vergewaltigung auch wegen gefährlicher Körperverletzung und Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches für seine Taten verantworten. Ursprünglich stand der Verdacht der Vergewaltigung von 58 Frauen im Raum. Doch einige der Taten wären heute verjährt. Andere Opfer konnten nicht identifiziert werden. Sie könnten also bis heute nicht wissen, was ihnen angetan wurde.
Frauen betäubt, vergewaltigt und gefilmt
Prozessauftakt in Saal B 129 des Landgerichts Berlin: Mit unbewegter Miene folgt Frank S. der Anklageverlesung. Seine meist zwischen 50 und 60 Jahre alten Opfer lernte er über verschiedene Internetplattformen kennen, lud sie zu sich ein. Dort soll er ihnen laut Anklage betäubende Substanzen in alkoholische Getränke gemischt haben. Dann vergewaltigte er sie, was er „mit mehreren in seinem Schlafzimmer fest installierten Videokameras filmte“. Während manche Frauen von der verabreichten Mischung vollkommen bewusstlos waren, versuchten andere noch sich zu wehren, sagten „Nee, nee, nee“ oder „Bitte, bitte nicht!“ Doch sie hatten keine Chance, sie waren von den verabreichten Mitteln zu benommen.
Der Staatsanwalt: „Dem Angeklagten war in allen Fällen bewusst, dass die Gabe sedierender Substanzen, insbesondere auch in Kombination mit Alkohol, zu lebensbedrohlichen Situationen führen kann.“
Die Polizei in Berlin war im März 2025 durch Hinweise von Kollegen aus Verden auf seine Spur gekommen. Im Netz soll sich S. unter dem Namen „Zeppelin 70“ mit einem Mann aus Niedersachsen in Chats u. a. über Schlafmittel ausgetauscht haben. Dieser inzwischen verstorbene Mann soll seine Ehefrau über Jahre betäubt und vergewaltigt haben.
Bei Durchsuchungen der Wohnung des Angeklagten fanden die Beamten dann mehrere installierte Kameras, dazu Speichermedien, Lichtbilder, Akten, aufgelistete Frauennamen – archiviert und geordnet in Kisten und Koffern. Jeder Name: eine Frau, die wahrscheinlich nicht wusste, was ihr widerfuhr. Dazu Kanülen, Spritzen, diverse Medikamente. Er behauptete, früher Rettungssanitäter gewesen zu sein. Auch als Polizist soll er sich öfter ausgegeben haben.
Angeklagter gesteht Vergewaltigungen
Während seine enge Bekannte bei seiner Festnahme noch behauptete, „der Frank macht sowas nicht“, räumte der Angeklagte zu Prozessauftakt die Vergewaltigungen ein. „Auch die Tatabläufe.“ Über die „Beimischung von Substanzen“ werde er sich jedoch zu einem späteren Zeitpunkt erklären. Dann auch weitere Fragen beantworten. Fortsetzung: 18. August.