Vor dem DFB-Bundestag am 18. Dezember beschäftigt der Zoff um die Regionalliga-Reform jetzt sogar internationale Medien! Die BBC behandelt ausführlich den Fall des dreifachen Nordost-Meisters Lok Leipzig, der nie aufsteigen durfte.
Lok-Stürmer Djamal Ziane (34) wird zitiert: „Man kann das nie ganz verarbeiten, denn auf unserem Niveau ist die 3. Liga wahrscheinlich das Höchste der Gefühle. Der Aufstieg mit meinem Heimatverein wäre für mich das Schönste auf der Welt gewesen.“ Weiter betont der Deutsch-Algerier: „Es ist eine Schande, dass wir uns dazu zwingen müssen, uns an das zu erinnern, was wir erreicht haben.“
Der britische Rundfunk erzählt mit zahlreichen Grafiken aufwendig die Geschichte des über eineinhalbjährigen Reformprozesses, beleuchtet die Entwicklung des Ostfußballs. BILD nutzt eine Übersetzung, die dem Wortlaut sehr ähnlich kommt.
So schreibt die BBC: „Die Schwierigkeiten der Fußballvereine in diesen Regionen sind bis zu einem gewissen Grad eine Folge der fortbestehenden sozioökonomischen Unterschiede zwischen Ost und West – Unterschiede, die sich auch im Erfolg der rechtsextremen Partei ‚Alternative für Deutschland‘ (AfD) bei den jüngsten Landtagswahlen widerspiegelten. Selbst im Jahr 2026 hat keines der 40 führenden Unternehmen, die im deutschen Aktienindex DAX gelistet sind, seinen Sitz im ehemaligen Osten (außerhalb Berlins). Die Gehälter sind nach wie vor niedriger, die Arbeitslosigkeit ist höher, und die Bevölkerung ist älter und schrumpft, da junge Menschen in den Westen abwandern.“
Es wird erklärt, dass die Meister der Staffeln Südwest und West direkt aufsteigen dürfen, weil sie deshalb mehr Herren-Mannschaften im Spielbetrieb haben. „Ich möchte weg von dieser Ost-West-Debatte“, sagt Tommy Haeder, der 35-jährige Geschäftsführer des Chemnitzer FC und Sprecher der Klub-Initiative Aufstiegsreform. „Wir haben einen Generationswechsel erlebt. Viele ältere Funktionäre sind in den Ruhestand gegangen und wurden durch jüngere Leute ersetzt, die diese DDR-Nostalgie nicht haben.“
Lok-Sportdirektor Toni Wachsmuth (39): „Die [westlichen] Ligen verfügen zwar über eine bessere wirtschaftliche Basis, doch sind sich alle einig, dass das derzeitige System unsinnig ist. Alle müssen Kompromisse eingehen, aber einige Funktionäre stellen ihre eigenen Interessen und Positionen eindeutig über das Wohl des deutschen Fußballs.“
Marco Rose (50), Ex-Trainer der Leipziger und jetzt Chefcoach beim englischen Premier-League-Klub Bournemouth, wird zitiert: „Ich weiß, wie es für Vereine ist, die auf diesem Niveau versuchen, mit ihren vorhandenen – oder eben fehlenden – Mitteln auszukommen. Alles steht auf Messers Schneide. Man muss den Vereinen und ihren Fans das Vertrauen geben, dass ihre Anstrengungen und Opfer mit dem Aufstieg belohnt werden.“
Briten rechnen mit deutschen Verbandsbossen ab
Die BBC zeigt die Drittliga-Landkarte und den bis auf Hansa Rostock gar nicht mehr repräsentierten Osten. Vor allem mit einer Sache geht der Artikel hart ins Gericht: „Die Dynamik nahm vor einer entscheidenden Abstimmung Ende Juni zu, als die Vereine nach monatelangen Diskussionen endlich über das ‚Kompassmodell‘ entscheiden sollten – doch die Abstimmung geriet zur Farce, als die durchführenden Regionalverbände in letzter Minute zwei wesentliche Änderungen bekanntgaben.“
Der zusätzlich vorgesehene Abstieg von acht Vereinen und die kurzfristig geforderte Einstimmigkeit zwischen den Regionen, die BILD damals aufdeckte, werden aufgegriffen. Beides sollte ein klares Votum für die Kompromisslösung erschweren.
Für Haeder in Chemnitz war die Abstimmung „eine absolute Katastrophe – völlig amateurhaft“. Der Autor Matt Ford listet auf, wie der Protest sich über alle Ligen, Regionen und bis in die Bundesliga ausbreitet. Die bekanntesten Bilder, wie sich Vereine und Fans gegen die Verbände wehren, werden eingebaut.
Fakt ist: Am 18. Dezember werden auch die internationalen Medien auf die Regionalliga schauen. Stimmen die DFB-Delegierten nicht wie die Basis fürs Kompassmodell, droht dem deutschen Fußball, sich auch im Ausland zu blamieren.