Politik

Nach Massenansturm auf Ceuta ziehen Taucher immer noch Leichen aus dem Wasser

Nach Massenansturm auf Ceuta ziehen Taucher immer noch Leichen aus dem Wasser
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Ceuta (Spanien) – Drei Tage nach dem größten irregulären Grenzübertritt in der Geschichte Ceutas steigen Taucher der Guardia Civil am Strand von Tarajal weiterhin ins Wasser. Sie sind auf der Suche nach Ertrunkenen, wie der Reporter Antonio Sempere für den britischen Telegraph (gehört wie BILD zu Axel Springer) beobachtet hat. Noch immer werden Sempere zufolge die Leichen von Menschen geborgen, die den spanischen Boden nie erreicht haben. Mindestens 75 Tote sind durch die spanischen Behörden inzwischen bestätigt – die Behörden schließen nicht aus, dass die Zahl noch steigen wird.

Die meisten Opfer starben nur wenige Meter vor Europa, als sie versuchten, die spanische Exklave während eines beispiellosen Massenansturms aus Marokko zu erreichen. Was mit der Ankunft von schätzungsweise 60.000 Menschen innerhalb von etwas mehr als einem Tag begann, hat sich zu einer der tödlichsten Migrationskatastrophen entwickelt, die jemals an einer Außengrenze der Europäischen Union registriert wurden.

Ceuta, eine Stadt mit etwas mehr als 85.000 Einwohnern, war nie auf eine Katastrophe dieses Ausmaßes vorbereitet. Die örtliche Leichenhalle war rasch überlastet. Deshalb entsandte Spaniens militärische Notfalleinheit UME Kühllastwagen vom Festland, um die aus dem Meer geborgenen Leichen aufzubewahren, während Forensiker deren Identität feststellen. Jede weitere Bergung verlängert die Ungewissheit für Familien auf beiden Seiten der Straße von Gibraltar, die noch immer auf Nachrichten über vermisste Angehörige warten.

Werden Minderjährige allein zurückgeschickt?

Nach Angaben des spanischen Innenministeriums ist die Mehrheit der Menschen, die Ceuta erreicht hatten, inzwischen nach Marokko zurückgekehrt – entweder freiwillig oder nach einer Absprache der Regierungen in Madrid und Rabat. Armee, Guardia Civil und Nationalpolizei sind zwar weiterhin in der Stadt präsent, doch das Chaos der ersten Stunden der Krise hat sich weitgehend gelegt. Die meisten Geschäfte sind wieder geöffnet.

Zugleich werden laut Sempere weiterhin marokkanische Staatsangehörige aus verschiedenen Teilen der Stadt zum Grenzübergang zurückgebracht – darunter auch mehrere marokkanische Kinder. Sie seien an Beamte der Guardia Civil übergeben und anschließend nach Marokko zurückgeschickt worden. Brisant: Laut spanischem Recht müssen unbegleitete ausländische Minderjährige zunächst identifiziert und dem Schutz der zuständigen Jugendbehörden übergeben werden. Erst danach kommt überhaupt eine Rückführung infrage.

Während Rettungsteams weiterhin die Gewässer vor Tarajal absuchen, entwickelt sich die humanitäre Katastrophe zu einem handfesten politischen Konflikt. Rechtsextreme Aktivisten versuchen, Kapital aus der Krise zu schlagen. Vertreter britischer Anti-Migrations-Bewegungen und Mitglieder mehrerer spanischer rechtsextremer Organisationen reisten nach Ceuta, um dort eine härtere Migrationspolitik einzufordern. Doch sie trafen auf eine andere Reaktion als erwartet. Hunderte Einwohner stellten sich ihnen entgegen.

Nach Ceuta-Drama sind viele Fragen offen

Für viele Einwohner ging es bei den Demonstrationen nicht nur um die Verteidigung von Migranten, sondern um die Verteidigung Ceutas selbst. Anders als viele Regionen auf dem spanischen Festland ist die Exklave seit Langem durch das Zusammenleben christlicher, muslimischer, jüdischer und hinduistischer Gemeinschaften geprägt.

Mehrere Fragen, die die politische und juristische Debatte in Spanien in den kommenden Monaten prägen dürften, sind bislang unbeantwortet: Warum starben so viele Menschen in Sichtweite der spanischen Küste? Welchen Schutz erhielten unbegleitete Minderjährige? Und entsprachen alle Entscheidungen der Behörden den rechtlichen Verpflichtungen Spaniens?

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