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Trauerwache in Frankfurt: „Ich frage mich jeden Tag: Warum unser Marius?“

Trauerwache in Frankfurt: „Ich frage mich jeden Tag: Warum unser Marius?“

Frankfurt (Hessen) – Namen. Gesichter. Leben, die durch Gewalttaten, Attentate und Anschläge jäh beendet wurden. Zurück bleiben leere Plätze, Fotos aus glücklichen Tagen, Erinnerungen an ein Leben davor. Und Familien, für die ein einziger Moment alles verändert hat. Am Samstag fand von 14 bis 19 Uhr auf dem Frankfurter Römerberg die „Trauerwache Deutschland“ statt. Die Gedenkkundgebung erinnert an Menschen, die seit 2015 durch Gewalttaten, Attentate und Anschläge ums Leben gekommen sind.

Hinter jedem Namen steht ein Mensch, der Pläne hatte, eine Familie, ein Leben, das weitergehen sollte. Und Angehörige, die seitdem mit dem schmerzlichen Verlust umgehen müssen. BILD gibt den Opfern und ihren Angehörigen eine Stimme.

„Ich frage mich jeden Tag: Warum unser Marius?“

Heute ist Kyrath Mitorganisator der Trauerwache: „Wir sind hier, um die Geschichten der Menschen zu erzählen, die es selber nicht mehr können, und den Hinterbliebenen eine Stimme zu geben, denen sonst keiner zuhören möchte.“ Seine Botschaft: „Alle Opfer haben ein Anrecht auf Gedenken. Da spielen Glaube, Herkunft und Hautfarbe keine Rolle und erst recht keine politischen Befindlichkeiten.“ Und für Ann-Marie kämpft ihr Vater weiter: „Ich möchte schon, dass sie dann sagt: Papa, ich bin stolz auf dich, dass du gekämpft hast.“

Marius Dick ist gerade 22 Jahre alt, studiert Geschichte und Politikwissenschaft in Trier (Rheinland-Pfalz), steht kurz vor seinem Bachelor. Am Morgen des 15. Juli kommt er vom Einkaufen, als er auf einem Fußweg nahe der Universität angegriffen wird. Ein 22-jähriger Afghane sticht mit einem Küchenmesser auf ihn ein. Marius wird schwer verletzt und stirbt wenig später im Krankenhaus. Die beiden kannten sich nach Erkenntnissen der Ermittler nicht – Marius wurde zum Zufallsopfer.

Für seine Eltern Thomas (59) und Elke Dick (56) bleibt vor allem eine schmerzende Frage. Mutter Elke zu BILD: „Ich frage mich jeden Tag: Warum unser Sohn Marius, warum er? Wir werden darauf unser ganzes Leben keine Antwort bekommen.“

Thomas Dick sagt: „Es gab eine sehr große Anteilnahme, sogar der Kanzler hat uns sein Beileid ausgesprochen. Aber danach ist nichts passiert.“ Die Eltern wollen, dass Marius' Tod Konsequenzen hat. Sein Vater: „Wir wollen, dass Marius' sinnloser Tod dazu führt, dass in Zukunft so wenige Menschen wie möglich Opfer solcher Taten werden. Es muss härter durchgegriffen werden. Diese sinnlosen Morde müssen aufhören.“

Und deshalb stehen Elke und Thomas Dick am Samstag in Frankfurt – für ihren Sohn. „Wir wollen die politische Botschaft senden, dass sich endlich etwas ändern muss. Wir haben 150.000 Verbrecher, die unrechtmäßig hier sind und Bürgergeld kassieren“, sagen sie.

„Hätte die Polizei gehandelt, wäre Alex am Leben“

Alexandra Felan (†52) stirbt am 19. Mai 2026 vor einem Mehrfamilienhaus in Hanau. Gegen 5.40 Uhr wird sie blutüberströmt auf dem Boden gefunden, jede Hilfe kommt zu spät. Tatverdächtig ist der 23-jährige Ex-Freund der gemeinsamen Tochter Shalina (21). Er wird kurz darauf festgenommen, ein Richter erlässt Haftbefehl wegen des Verdachts des Totschlags.

Am Samstag steht Alexandras Ehemann Mark Felan (54) auf dem Römerberg in Frankfurt (Hessen). Seine Frau wurde mit sieben Messerstichen getötet – seine große Liebe starb. Er ist überzeugt: Ihr Tod hätte verhindert werden können. Auch Tochter Shalina ist bei der Veranstaltung dabei.

Mutter erhielt 100 Morddrohungen

Felan sagt zu BILD: „Meine Frau hatte nachweislich mehr als 100 Morddrohungen über WhatsApp bekommen. Trotzdem wurde der Täter von Polizeipsychologen als nicht gefährlich eingeschätzt. Wenn die Polizei gehandelt hätte, wäre Alex heute noch am Leben.“

Deshalb will der Witwer nicht schweigen: „Es geht mir darum, Missstände aufzuzeigen, damit nicht noch mehr Menschen unnötig sterben müssen“, sagt er. Und vor allem geht es ihm um Alexandra: „Ich möchte Alex die Ehre erweisen – und gleichzeitig all den anderen Opfern.“

Ann-Marie traf zufällig auf ihren Mörder

Ann-Marie Kyrath ist 17 Jahre alt, als sie am 25. Januar 2023 mit ihrem Freund Danny (19) im Regionalzug von Kiel nach Hamburg sitzt. Kurz vor Brokstedt (Schleswig-Holstein) zieht Ibrahim A. ein Küchenmesser. 26 Mal sticht er auf Ann-Marie ein. Danny versucht, seine Freundin zu schützen – ein Stich trifft ihn ins Herz. Beide sterben, vier weitere Menschen werden schwer verletzt. Der Täter war den Behörden längst bekannt. Der staatenlose Palästinenser war mehrfach straffällig geworden, auch wegen Gewaltdelikten. Nur sechs Tage vor dem Doppelmord war er aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Später wird er wegen zweifachen Mordes und vierfachen versuchten Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht stellt die besondere Schwere der Schuld fest.

„Ich möchte, dass sie sagt: Papa, ich bin stolz auf dich“

Ann-Maries Vater Michael Kyrath (52) wartet an diesem Tag zu Hause auf seine Tochter. Sie kommt nicht. In Brokstedt erfährt er von einem Polizisten, dass Ann-Marie und Danny tot sind. Den Moment beschreibt er wie einen Sturz „rückwärts in eine Schlucht“. Bis heute lässt Kyrath besonders eine Frage nicht los: Wie konnte Ibrahim A. wenige Tage vor der Tat auf freien Fuß kommen? Zu BILD sagt er: „Dass er nicht als gefährlich eingestuft wurde, hat meiner Tochter das Leben gekostet. Sechs Tage nach seiner Entlassung hat er meine Tochter getötet. Und natürlich war am Ende keiner dafür verantwortlich.“

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