Leipzig – Kurz nach dem versuchten Anschlag auf dem Flughafen Leipzig/Halle sind viele Fluggäste noch immer verunsichert: Wie kann es sein, dass eine gefährliche Sprengstoff-Drohne einfach so in einen Hochsicherheitsbereich gelangt? Brisant: Ein anerkannter Drohnen-Experte geht jetzt hart mit den Sicherheitsvorkehrungen ins Gericht. Deutschland habe das Gefahrenpotenzial „vielleicht auch einfach unterschätzt“. Und er widerspricht Innenminister Alexander Dobrindt (56, CSU) klar. Stephan Kraschansky (35) ist ehemaliger Offizier beim Österreichischen Bundesheer und schützt mit seiner eigenen Firma den Londoner Großflughafen Heathrow vor Drohnen. In der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) betont er, dass der Vorfall aus seiner Sicht nie hätte passieren dürfen. So gebe es längst die notwendige Technik, die „weltweit auch an Flughäfen gegen modernere Drohnen eingesetzt wird“. Doch Deutschland sei von den aktuellen Ereignissen trotzdem „eiskalt erwischt“ worden. „Das muss man jetzt aufarbeiten“, so der Experte weiter.
War es doch keine militärische Drohne?
Laut Kraschansky deute alles darauf hin, dass es sich bei der eingesetzten Drohne nicht um ein spezielles Militärmodell handelte. Wohl sei die Drohne zwar modifiziert worden, doch: „So ein Modul kostet um die 50 Euro.“ Und weiter: „Das kann jeder, der mal einen Lötkolben in der Hand gehalten hat.“ Er glaube also auch nicht an die Erzählung „irgendeiner Spezialeinheit, die im Keller eine verrückte neue Drohnentechnologie entwickelt hat“. Kritik übt der Experte auch an Innenminister Dobrindt, der davon gesprochen hatte, dass die Mechanismen zur Drohnenabwehr „erkennbar funktioniert“ hätten: „Nein, natürlich hat da nicht alles funktioniert“.
Wie auch andere Experten betont Kraschansky, dass Deutschland sich zu langsam auf die neue Lage einstelle. So gebe es zwar ein wachsendes Problembewusstsein – etwa seit es im vergangenen Jahr ähnliche Zwischenfälle an deutschen Flughäfen gegeben hatte. Doch weil viel Geld auf dem Spiel stehe, würden die Behörden nur „das Beste“ kaufen wollen: „Aber alles zu Tode zu testen, bis es dann irgendwann eingesetzt wird, ist eben nicht der schnellste Weg.“