Was braucht es, um ein Startup groß zu machen? Und warum scheitern so viele Gründer trotz guter Ideen? Diese Fragen nahm Malte Ubl, CTO des Milliarden-Startups Vercel, beim Gründerszene-Startupcamp „Gründerszene sucht die Supergründer“ unter die Lupe. Mit den Teilnehmern sprach der ehemalige Google-Manager über die ewige Startup-Suche nach dem Product-Market-Fit, die richtige Gründer-DNA und darüber, warum man manchmal lieber schnell loslegen sollte, statt drei Jahre an der perfekten Version zu basteln. Vercel ist auch Partner unseres Gründerszene-Fellowships.
Vom Google-Konzern zurück ins Startup
Bevor Ubl bei Vercel landete, verbrachte er fast zehn Jahre bei Google. Genau dort, wo andere ihre Karriere-Träume verwirklichen. Unter anderem kümmerte er sich um die Desktop-Version der Google-Suche. Klingt nach einem Traumjob? Für Ubl irgendwann eher nach digitalem Hamsterrad: „Es war mir dann viel zu langweilig“, sagt er. Also ging es zurück ins Startup-Leben, mit weniger Konzernkomfort und vermutlich deutlich mehr Chaos.
Der Wechsel von Google zu Vercel war für Ubl auch ein Wechsel der Spielregeln. Bei Google konnten winzige Verbesserungen den Unterschied machen. Manchmal ging es um 0,01 Prozent, die am Ende einen riesigen Effekt haben. Ubls Job war es, genau diese Mini-Schrauben zu finden und messbar zu machen. Bei einem Startup läuft die Uhr dagegen schneller: „Wenn das Produkt nicht vier Prozent Woche für Woche wächst, lohnt es sich nicht, da rein zu investieren.“ Kurz gesagt: Bei Google ging es ums Feintuning und bei Vercel darum, ordentlich aufs Gaspedal zu drücken.
Auf die Frage, warum so viele Startups scheitern, antwortet Ubl, das größte Problem sei nicht mangelnde Technologie oder fehlendes Kapital, sondern die Unfähigkeit vieler Gründer, sich von einer schlechten Idee zu lösen. „Ehrlichkeit zu sich selbst ist mit Abstand das Wichtigste“, so Ubl. Bei Vercel gehöre radikal ehrliches Feedback zur Unternehmenskultur. Genau diese Haltung müssten sich auch Gründer aneignen.
„Wenn es nicht geht, dann macht man was anderes. Statt sich monatelang in einer Idee zu verrennen, wo keine Response kommt.“ Lieber schnell feststellen, dass etwas nicht funktioniert, als Monate oder Jahre in die falsche Richtung laufen.
Product-Market-Fit erkennt man sofort
Gründer hoffen auf den Moment, an dem sie endlich wissen, dass ihre Idee funktioniert. Ubl meint, „wenn man ein Product-Market-Fit hat, ist das überhaupt keine Frage.“ Ein Produkt mit echtem Markt müsse man nicht schönreden oder interpretieren: „Es geht nicht nur so: ‚Ja, sieht ganz gut aus.‘ Sondern meistens ist es so, dass es wirklich einschlägt.“
Dass auch erfolgreiche Unternehmen manchmal ewig nach ihrem großen Aha-Moment suchen, zeigt für ihn die Geschichte von Vercel. Heute zählt das Unternehmen zu den wichtigsten Infrastruktur-Startups der Welt, aber bis das passierte, vergingen ganze sechs Jahre. Auch bei den Großen heißt es also manchmal: erst mal suchen, tüfteln und ein paar Extrarunden drehen.
Nicht planen – bauen
Ubl riet den Teilnehmern, schneller ins Machen zu kommen. „Die Möglichkeit zu haben, dass absolut jeder zumindest einen richtig guten, testbaren Prototypen selber bauen kann, ist schon unglaublich.“
Sein Rat deshalb: Nicht noch mehr Konzepte schreiben, sondern direkt mit potenziellen Kunden arbeiten. „Do things that don’t scale.“ Man braucht echte Kunden, um permanent Feedback zu bekommen. Nur so lasse sich herausfinden, ob das eigentliche Problem wirklich existiere und ob die Lösung dafür tauge.
Trends bringen kein erfolgreiches Startup
Zum Abschluss der Diskussion ging es noch einmal um die Frage, wie Gründer überhaupt auf eine gute Idee kommen. Ubl warnt davor, einfach dem nächsten KI- oder Startup-Hype hinterherzulaufen. „Ich glaube, erstens ist alles interessant und man muss halt tief einsteigen, um die Probleme, die es zu lösen gilt, zu verstehen.“
Die besten Gründer springen deshalb nicht einfach auf den nächsten Hype-Zug auf, sondern starten dort, wo sie sich wirklich auskennen. Wo sie ein Problem nicht nur aus einem Blogartikel kennen, sondern selbst erlebt haben. Denn am Ende komme man immer wieder auf denselben Punkt zurück: „Ehrlichkeit zu sich selbst ist mit Abstand das Wichtigste.“
Dieser Text erschien zuerst bei „Gründerszene“