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„Wir bieten unsere neu entwickelte Fregatte GMF140 jetzt im internationalen Markt an“

„Wir bieten unsere neu entwickelte Fregatte GMF140 jetzt im internationalen Markt an“

Die Marinerüstung ist neu für Deutschlands größten Rüstungskonzern Rheinmetall. Im März hatte das Unternehmen von Lürssen dessen Marinesparte NVL übernommen. Dazu zählen die Werften Blohm+Voss und Norderwerft in Hamburg, die Neue Jadewerft in Wilhelmshaven und die Peene-Werft in Wolgast. Etwa 2200 Menschen beschäftigt Rheinmetall im Marinegeschäft, davon rund 650 bei Blohm+Voss und 120 bei der Norderwerft. Ende Juni aber stellte das Bundesverteidigungsministerium überraschend die Beschaffung der Fregatte F126 ein, das bislang größte Projekt der Deutschen Marine. Rheinmetall wollte die Schiffe als Generalunternehmer bauen, an deren Fertigung die niederländische Werft Damen Naval gescheitert war. Unter anderem hätte die Endmontage der F126 Blohm+Voss einige Jahre lang die Auslastung gesichert. Wie es mit dem Marinegeschäft von Rheinmetall weitergeht, sagte Konzernchef Armin Papperger WELT AM SONNTAG in der Zentrale in Düsseldorf.

WELT AM SONNTAG: Herr Papperger, Rheinmetall hat im März die Marinesparte NVL von Lürssen übernommen. Sind Sie mit der Akquisition nach wie vor zufrieden?

Armin Papperger: Ja, absolut. Die Mannschaft ist toll. Wir haben super motivierte Leute in der neuen Division Naval Systems. Auch wenn sie natürlich enttäuscht darüber sind, dass die Fregatte F126 nun nicht gebaut wird. Denn das haben sie ja sehr gut vorbereitet. Aber wir sind glücklich darüber, dass wir diesen Bereich haben. Unser Ziel ist es ja, Vollsortimenter zu sein und auch im Marinebereich alles, was wir im Portfolio haben, anzubieten. Ich bin sehr zufrieden.

WAMS: Die F126 und die Erwartung, das Schiff als Generalunternehmer bauen zu können, war das Prestigeprojekt gewesen, das Sie mit NVL übernommen haben. Der Bund hat die Absage an das Projekt unter anderem damit begründet, dass sechs F126 letztlich 15 Milliarden Euro kosten sollten anstatt der zuvor kalkulierten zehn Milliarden Euro. Woran ist das Projekt gescheitert?

Papperger: Wir haben je Fregatte für 1,7 Milliarden Euro netto kalkuliert. Zusätzlich gefordert wurden noch umfassende Landanlagen, Einsatzmodule, umfangreiche Simulatoren, ein Ersatzteilpaket sowie die technische Dokumentation. Was sich natürlich verändert hat, ist die Diskrepanz zwischen dem ersten Angebot, das Damen Naval vor Jahren abgegeben hat, und dem heutigen Stand. Zudem haben wir die Inflation über eine Reihe von Jahren, da kann ich natürlich nicht mehr für den damaligen Preis anbieten. Allerdings bin ich fest davon überzeugt, dass das Geld überhaupt nicht das Problem war.

WAMS: War es die lange Zeitspanne bis zur Ablieferung der ersten F126 frühestens 2032, vier Jahre später als ursprünglich geplant?

Papperger: Ja, es war auch die Zeitspanne. Zudem glaube ich schon, dass Minister Boris Pistorius die Verhandlungen mit Damen nicht sonderlich gut fand. Vor allen Dingen gab es ja nach meinem Wissensstand auch keine vernünftige Lösung zu möglichen Haftungsfragen für die in die F126 bereits investierten Mittel.

WAMS: Rheinmetall musste den Vertrag für die F126 neu verhandeln?

Papperger: Ich hätte den alten Vertrag nicht eins zu eins übernommen. Das Ministerium hat gefragt, könnt ihr uns helfen? Wir sind aufgefordert worden, eine technische Due-Diligence-Prüfung zu machen. Das haben wir mit einem Team von über 80 Spezialisten in Holland umgesetzt und es gerne gemacht. Nach etwa vier bis fünf Monaten stellten wir fest, dass wir in der Lage sind, die F126 mit unserem Projektteam technisch umzusetzen. Dann haben wir mit dem Beschaffungsamt BAAINBw einen Vertrag verhandelt, er war quasi endverhandelt. Im Haushaltsausschuss des Bundestages gab es auch kein Problem. Dennoch wurde das Projekt dann vom Ministerium gecancelt.

WAMS: Der Einstieg in das Marinegeschäft ist für Rheinmetall trotzdem richtig?

Papperger: Ja, ganz unabhängig vom Projekt F126. Wir haben gesagt, das ist für Rheinmetall ein strategisch wichtiger Punkt. Es ist, glaube ich, auch für Deutschland strategisch wichtig, einen Konzern zu haben, der in der Lage ist, bei allen Waffengattungen mitzureden. Und für uns war es ganz wichtig, dass wir unsere Technologien zur Digitalisierung auch auf die Marine übertragen können.

WAMS: Wie können Sie speziell Ihre beiden neu übernommenen Bauwerften Blohm+Voss in Hamburg und die Peene-Werft in Wolgast ohne die Fregatte F126 auslasten?

Papperger: Das Aus der F126 ist natürlich ein Schlag für uns, vor allem für die Peene-Werft. Wir gehen heute davon aus, dass wir dort hoffentlich kurzfristig andere Schiffsprogramme realisieren können. Für die Peene-Werft brauchen wir von Mitte des nächsten Jahres an Arbeit, da haben wir ein Auslastungsproblem. Dazu spreche ich auch mit der Politik. Bei Blohm+Voss in Hamburg sieht es etwas besser aus. Und bei den beiden Reparaturwerften Neue Jadewerft in Wilhelmshaven und Norderwerft in Hamburg sieht es ganz anders aus. Sie haben mit dem Neubauprogramm nichts zu tun.

WAMS: Wollen Sie die Fläche von Blohm+Voss derzeit noch erweitern, wie noch vor einigen Monaten geplant?

Papperger: Wir müssen jetzt schauen, wie sich der Markt für die Marinerüstung weiterentwickelt, denn wir bleiben ja nicht stehen. Wir bieten unsere neu entwickelte Fregatte GMF140 jetzt im internationalen Markt an. Aber zuerst müssen wir natürlich Aufträge buchen, bevor wir investieren, etwa in die Erweiterung der Fläche bei Blohm+Voss.

WAMS: Könnten Sie bei Blohm+Voss auch Komponenten für andere Waffensysteme herstellen, für Landfahrzeuge oder die Luftverteidigung?

Papperger: Wir überlegen, zur Überbrückung Komponenten zum Beispiel auf der Peene-Werft zu fertigen, denn da haben wir das erste Problem mit der Auslastung. Das wären dann Schweißteile, Biegeteile und Komponenten, auch für Landfahrzeuge und anderes. Ob wir so etwas auch in Hamburg machen werden, weiß ich noch nicht.

WAMS: Könnte Rheinmetall von TKMS in den Bau von deren geplanten vier bis acht Fregatten F128 für die Deutsche Marine mit einbezogen werden?

Papperger: Unsere Division Naval Systems spricht mit der Leitung von TKMS darüber, aber es müsste – um damit eine vernünftige Auslastung bei uns zu erreichen – natürlich schon ein essenzielles Arbeitsvolumen sein. Letztlich muss TKMS das klären, sie sind ja der Generalunternehmer für die Fregatte F128. Aber wir wollen alles tun, was für den Kunden positiv ist.

WAMS: Rheinmetall und TKMS waren beide an einer Übernahme der Werft German Naval Yards in Kiel interessiert, TKMS hat seine Offerte kürzlich zurückgezogen. Wollen Sie German Naval Yards weiterhin kaufen?

Papperger: Wir haben ein nicht verbindliches Angebot für German Naval Yards abgegeben. Wir sind immer noch dabei, das zu sondieren und werden sicherlich in den nächsten Wochen keine finale Entscheidung treffen können. Wir hätten die Werft gebraucht, wenn die F126 gekommen wäre, sonst hätten wir nicht genügend Kapazitäten gehabt. Jetzt müssen wir sehen, welche Buchungen wir in den nächsten Monaten im deutschen und im internationalen Markt haben. Erst dann können wir eine Entscheidung treffen. Bisher haben wir nicht abgesagt.

WAMS: Am Montag haben Sie das von Rheinmetall – und zuvor schon von Lürssen – entwickelte Konzept der neuen Fregatte GMF140 vorgestellt. Wie lange reicht diese Entwicklung zurück?

Papperger: Die Entwicklung reicht zweieinhalb bis drei Jahre zurück, also in die Zeit, als NVL noch zu Lürssen gehörte. Wir wiederum hatten für die F126 ja schon 100 Leute neu eingestellt – von insgesamt 1000, die wir einstellen wollten. Alle durch die F126 freiwerdenden Kapazitäten werden wir in Richtung der neuen Fregatte GMF140 geben. Die finalen Spezifikationen eines Kunden müssen natürlich noch eingearbeitet werden.

WAMS: Ist die GMF140 eine modernere Antwort von Rheinmetall auf die modernisierte Fregatte F128, die bereits lange Zeit gebaute Exportfregatte, die TKMS nun der Deutschen Marine verkauft?

Papperger: Das hat miteinander überhaupt nichts zu tun, weil wir ja schon viel früher angefangen haben, die GMF140 zu entwickeln. Uns geht es mit der GMF140 erst einmal um den internationalen Markt.

WAMS: Wem wollen Sie die GMF140 zunächst verkaufen – der U.S. Navy?

Papperger: Wir haben im Augenblick Stillschweigen mit den infrage kommenden Staaten vereinbart. Wir reden mit mehreren Ländern darüber. Diese Länder müssen sich ja erstmal entscheiden, in welche Systeme sie hineingehen wollen.

WAMS: Die U.S. Navy käme aber infrage, nach dem Abbruch deren Constellation-Fregattenprogramms Ende 2025?

Papperger: Alle Märkte in der westlichen Welt sind natürlich möglich. Wir haben ja ein weltweites Vertriebsnetz und machen jedes Jahr mit über 100 Ländern Geschäfte. Da versuchen wir jetzt natürlich auch, die Produkte für die Marine zu vermarkten.

WAMS: Mit der GMF140 erweitern Sie Ihre Präsenz am Markt für Marineschiffe erheblich.

Papperger: Ja, das wollen wir ja auch. Wir wollen ja nicht einfach stehenbleiben. Und wir stellen uns dem Wettbewerb, auch im Marinerüstungsgeschäft.

WAMS: Es gibt jetzt schon Diskussionen über das nächste deutsche Fregattenprojekt F127 – zu groß, zu schwer, nicht zeitgemäß. Könnte dieses Projekt für Rheinmetall so schwierig werden wie die F126?

Papperger: An uns ist herangetragen worden, dass man eine F127 sicherlich von der preislichen Seite her erheblich reduzieren muss, um hier in eine vernünftige Größenordnung zu kommen. Wie Sie wissen, sind wir diesbezüglich in einem Konsortium mit TKMS – und wir unterstützen die F127 natürlich.

WAMS: TKMS hat zuletzt mehrere große Projekte für U-Boote und Überwasser-Marineschiffe im In- und Ausland abgeschlossen. Verschieben sich da auch die Gewichte und Kräfteverhältnisse im Konsortium für die F127?

Papperger: Nein, das macht mir keine Sorgen. Unser Marinegeschäft, das heute bei einer Milliarde bis 1,5 Milliarden Euro Umsatz liegt, soll bis zum Ende des Jahrzehnts auf fünf Milliarden Euro wachsen. Wir trauen uns zu, dass wir in den nächsten Jahren genügend Aufträge buchen können, um in die Nähe dieses Ziels zu kommen.

WAMS: Falls dem Bund die geplante große F127 für die Sicherung von Lufträumen zu teuer werden würde – könnten Sie nun die neu entwickelte GMF140 anbieten.

Papperger: Der Kunde ist König, und verschiedene Staaten sondieren derzeit unterschiedliche Fregatten. Die schauen zum Beispiel auch nach Italien und nach Spanien.

WAMS: Jedenfalls können Sie nun eine moderne, kleinere Fregatte anbieten, falls größere, sehr viel teurere Modelle nicht mehr als zeitgemäß erscheinen.

Papperger: Der Preis für eine GMF140 wird sicherlich günstiger sein. Die Größenordnung ist erheblich reduziert, aber die Fähigkeiten sollen gegenüber größeren Schiffen nicht zurückstehen. Außerdem arbeiten wir intensiv an der Entwicklung und Produktion ferngesteuerter und vollautonomer Marineboote und -schiffe, vor allem auch in Hamburg. Mit dem Produktportfolio, das wir im Marinebereich nun haben, bin ich sehr zufrieden. Wir werden nicht stehenbleiben, sondern uns weiterentwickeln.

WAMS: Wo in Europa sehen sie derzeit mögliche Nachfrage für Marineschiffe?

Papperger: Wir haben ja gerade einen Vertrag für Rüstungsprojekte in Rumänien unterschrieben. Wir arbeiten in Bulgarien. Wir wollen mit der Investition, die wir bereits getätigt haben, in Kroatien vorankommen. Die südosteuropäischen Länder am Meer wollen mit uns auch bei der Marinerüstung zusammenarbeiten, aber auch andere Staaten Europas und in Nordamerika.

WAMS: Glauben Sie, dass Rheinmetall bei der Marinerüstung in bislang völlig abgeschottete Märkte wie Frankreich, Spanien oder Italien hineinkommen kann? Dort dominieren staatlich kontrollierte Konzerne das Geschäft.

Papperger: Das geht nur über Kooperationen. Anders funktioniert das nicht. Wir führen natürlich auch mit Navantia in Spanien und mit Fincantieri in Italien Gespräche. Man muss dann in Europa schon versuchen, eine Win-Win-Situation zu schaffen. Von der Kapazität her sind wir sehr gut ausgestattet. Ich glaube nicht, dass jemand in Deutschland im Bereich der Überwasser-Marineschiffe mehr Kapazität hat als wir.

WAMS: Kann es gelingen, eine etwas einheitlichere europäische Marinebeschaffung zu verwirklichen? Bei den meisten Waffensystemen wie etwa Panzern oder Kampfflugzeugen tun sich die europäischen Staaten damit seit Jahrzehnten sehr schwer.

Papperger: Es ist sehr schwierig. Da geht es gar nicht so sehr um die Industrie, sondern mehr um die politische Seite. Jedes Land hat eine stolze Marine und sagt, ich habe irgendwelche Spezialwünsche. Und dann scheitern übernationale Beschaffungsprojekte meistens.

WAMS: Welche Potenziale sehen Sie bei den autonomen Marinefahrzeugen und den ferngesteuerten? Vor allem für Blohm+Voss ist das ein wichtiges Thema.

Papperger: In den nächsten fünf Jahren werden die unbemannten Fahrzeuge noch der kleinere Bereich sein. Wir haben immer gesagt, wir können ein paar hundert Millionen Euro Umsatz pro Jahr mit unbemannten Marinesystemen machen. Sie werden die großen Schiffe in den nächsten Jahren nicht ersetzen können. Ob das in den nächsten zwanzig Jahren passieren wird, muss ich ganz ehrlich sagen, das kann ich heute noch nicht absehen.

WAMS: Welche Synergieeffekte wollen Sie bei Rheinmetall als „Vollanbieter“ über alle Waffengattungen hinweg realisieren?

Papperger: Ich glaube, es gibt erhebliche Synergien – bei den Antrieben, bei der Bewaffnung und der Munition, bei Elektronik und Digitalisierung. Wir haben zum Beispiel ein paar tausend Digitalisierungsingenieure, die natürlich auch für die Systeme der Marine arbeiten können, als Systemhaus oder im Systemhaus befindliche Spezialisten. Wenn wir heutzutage mit dem US-Rüstungskonzern Lockheed Martin über deren hochkomplexe Waffensysteme wie Aegis oder CMS 330 sprechen, dann sprechen wir mit denen auf Augenhöhe und sagen: Das könnten wir in unsere Fregatten integrieren.

WAMS: Die Entwicklung neuer, im Zweifel automatisierter Waffen wird vor allem durch den Ukrainekrieg drastisch beschleunigt. Rheinmetall ist ein tradierter Hersteller großer Waffensysteme. Ist die neue Geschwindigkeit der Rüstungswelt bei Ihnen im Konzern schon vollständig angekommen?

Papperger: Wir sind in vielen Bereichen sehr schnell. Wir entwickeln heute Drohnen in wenigen Monaten. Wir entwickeln Software für Drohnen, im Grunde wird das im Monatsbereich optimiert und weiterentwickelt. Bei Großsystemen wie Fregatten zum Beispiel wird das so nicht der Fall sein, denn der Kunde kauft ja nicht alle drei Jahre eine neue Fregatte. Aber Modernisierungsprogramme bei der Software der Schiffe, das kann ich mir durchaus vorstellen. Der Ukrainekrieg ist seit langem vor allem ein statischer Krieg, bei dem zum Beispiel auch große Mengen an Artilleriemunition verschossen werden. Hinzu kommen als neue Waffensysteme nun die Drohnen. Diese beiden Welten ergänzen und überlagern sich dort.

WAMS: Wird man künftig noch beides parallel einsetzen, Kampfpanzer wie den Leopard und Drohnen, deren Beschaffenheit wir heute noch nicht kennen?

Papperger: Ich halte mich an das, was die Spezialisten sagen. Und die Spezialisten sind für mich, ausgehend von der Nato, die Verteidigungsminister und die Planungschefs der Nationen. Wir schauen uns alle sechs Monate an, was die Nato braucht und welche Lücken es gibt. Aus dieser Analyse entwickeln wir neue Produkte. Und das sind eben nicht nur Drohnen. Wir haben auch Drohnen, damit erwirtschaften wir mittlerweile ein paar hundert Millionen Euro Umsatz im Jahr. Ich sehe ein Potenzial für Rheinmetall, das zwischen einer und 1,5 Milliarden Euro Umsatz jährlich liegt. Aber das ist natürlich nicht sehr viel bei einem Unternehmen, das in diesem Jahr um die 14 Milliarden Euro Umsatz macht und im nächsten Jahr um die 20 Milliarden. Kein einziger Hersteller im Verteidigungsbereich stellt für 20 Milliarden Drohnen her, da braucht es auch andere Systeme.

WAMS: Gerade bei den Drohnen sind die Entwicklungszyklen besonders schnell. Wie schnell integrieren Sie die Erkenntnisse aus Ihren Lieferungen in die Ukraine in Ihre Produktion?

Papperger: Wir bekommen Feedback aus der Ukraine, das stimmt. Wenn Systeme verbesserungsfähig sind, fließt das bei uns sofort ein. Aber eine Drohne zu entwickeln, ist nicht so schwer. Viel schwieriger ist es, eine Fregatte zu entwickeln.

WAMS: Werden Sie Ihre Kooperationen mit der Ukraine absehbar weiter ausbauen?

Papperger: Ich glaube, dass die Ukraine im Augenblick eine eigene Industrie aufbauen möchte – was verständlich ist, weil sie ja im Krieg sind und weil sie sich letztendlich selbst verteidigen wollen. Wir stehen zu unseren Kooperationen, und wir sind auch bereit, Kooperationen auszubauen. Das muss dann aber auch von der ukrainischen Seite her gewollt sein.

Armin Papperger, 63, ist seit 2013 Vorstandsvorsitzender des größten deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall mit Sitz in Düsseldorf. Das börsennotierte Unternehmen, das im Dax gelistet ist, erwirtschaftete mit rund 34.000 Mitarbeitern an 161 Standorten weltweit 2025 einen Umsatz von etwa 9,9 Milliarden Euro und einen operativen Gewinn von 1,8 Milliarden Euro. Für das zweite Quartal 2026 meldete Rheinmetall rund 3,3 Milliarden Euro Umsatz, 562 Millionen Euro operativen Gewinn und einen Auftragsbestand von nunmehr rund 80 Milliarden Euro. Der Maschinenbau-Ingenieur Papperger arbeitet seit 1990 für Rheinmetall und hatte eine Reihe von Führungspositionen inne, bevor er 2012 in den Vorstand aufstieg. Der verheiratete Vater zweiter Kinder ist auch Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie.

Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit mehr als 30 Jahren auch über die Marinerüstung.

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