Wirtschaft

Alles auf 19 Prozent – Ifo-Chef schlägt Abschaffung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes vor

Alles auf 19 Prozent – Ifo-Chef schlägt Abschaffung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes vor

Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, spricht sich für eine Abschaffung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes von sieben Prozent aus. Stattdessen sollten alle Waren einheitlich mit 19 Prozent besteuert werden. „Alle Güter mit derzeit ermäßigtem Mehrwertsteuersatz, vor allem Lebensmittel, würden sich verteuern“, sagte Fuest der „Bild“. Im Gegenzug sollten Haushalte mit geringen Einkommen jährliche Gutschriften vom Staat erhalten.

Bei einer vollständigen Weitergabe könnten die Preise demnach um bis zu zwölf Prozent steigen. Er rechne allerdings mit weniger, „weil die Steuer von den Unternehmen nicht voll weitergegeben werden kann“. Ziel sei es, die Komplexität des Systems zu reduzieren und Mehreinnahmen für den Staat zu erzielen.

Haushalte mit geringeren Einkommen sollten als Schutz vor Mehrbelastungen mit einer Gutschrift von 360 Euro jährlich entlastet werden, schlägt Fuest vor. „Belastet würde vor allem die Hälfte der Bevölkerung mit den höheren Einkommen, also mit Bruttoeinkommen über circa 55.000 Euro“, sagte der Ökonom.

Nach Abzug der Ausgleichszahlungen blieben dem Staat dem Bericht zufolge mehr als 36 Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich. „Wichtig ist mir, dass er eine Chance bietet, das Chaos bei der Mehrwertsteuer abzuschaffen, ohne die ärmsten Haushalte mehr zu belasten“, sagte Fuest.

Zuletzt hatte Fuest bei der deutschen Wirtschaft eine vorsichtige ​Trendwende beobachtet. „Trotz der unsicheren ​Lage am Persischen Golf zeigt sich die deutsche Wirtschaft weniger ‌pessimistisch“, erklärte er Ende Juli gegenüber Reuters. Die Firmen blicken zwar ‌etwas skeptischer ‌auf ihre Lage als zuletzt, bewerten ihre Geschäftsaussichten aber optimistischer. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Juli auf 86,6 ⁠Punkte, nach 85,7 Zählern im Juni und damit das dritte Mal in Folge.

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