Schwäbisch Gmünd – Wieder gerät ein deutscher Autozulieferer ins Straucheln: Die traditionsreiche Julius Schüle Druckguss GmbH aus Schwäbisch Gmünd hat Insolvenz angemeldet. Das Familienunternehmen kämpft nach 75 Jahren um seine Zukunft. 152 Mitarbeiter bangen um ihre Jobs.
Das Amtsgericht Aalen in Baden-Württemberg hat am 18. September 2026 ein Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung für das Unternehmen angeordnet. Das Verfahren beschränkt sich ausschließlich auf die deutsche Muttergesellschaft. Die Tochtergesellschaften in Polen und der Slowakei haben keinen Insolvenzantrag gestellt.
Das passiert jetzt im Unternehmen
Sanierungsexperte Martin Mucha von der Kanzlei Grub Brugger unterstützt die Geschäftsführung während des Verfahrens als Generalbevollmächtigter. Der Rechtsanwalt zu BILD: „Das Unternehmen ist personell und technisch sehr gut aufgestellt, agiert jedoch derzeit in sehr schwierigen Märkten. Um das Verfahren erfolgreich zu gestalten, benötigen wir die Unterstützung aller Beteiligten. Wir werden zeitnah die Suche nach einem geeigneten Investor aufnehmen.“
Der Geschäftsbetrieb läuft weiter. Nach Angaben des Unternehmens sind die Löhne und Gehälter der Beschäftigten bis Ende November über das Insolvenzgeld gesichert. Das Familienunternehmen Julius Schüle produziert hochkomplexe Aluminium-Druckgussteile für die Automobilindustrie, Heizungssysteme und seit 2025 Bauteile für die Medizintechnik.
Die Ursache für die Pleite
Das Unternehmen wurde 1951 gegründet, beschäftigt rund 680 Mitarbeiter, davon 152 am Stammsitz in Schwäbisch Gmünd. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die Gruppe noch einen Umsatz von 110,9 Millionen Euro. Doch der Druck auf die Branche ist enorm. Das Unternehmen nennt als Ursachen den zunehmenden Wettbewerb aus Niedriglohnländern, Überkapazitäten am Markt sowie sinkende Mengen und Margen im Automobilgeschäft.
Die Autozulieferer-Industrie befindet sich in einer Krise. Immer häufiger ringen Betriebe in Deutschland ums Überleben. Erst Anfang September musste der Autoteilehersteller Paragon AG in NRW Insolvenzanträge stellen. Betroffen sind mehr als 500 Mitarbeiter in sechs deutschen Werken. Auch der Autozulieferer Prinz & Co. GmbH Stahlrohre aus NRW geriet in wirtschaftliche Schieflage. Dort stehen 310 Jobs auf dem Spiel. Und in Baden-Württemberg musste ein Autozulieferer dichtmachen. Allen Mitarbeitern wurde gekündigt.