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Rente mit 63 vor dem Aus? Das sagen Deutschlands Arbeitnehmer

Rente mit 63 vor dem Aus? Das sagen Deutschlands Arbeitnehmer
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Berlin – Fliegt das schwarz-rote Rentenpaket wieder auseinander? Der Protest gegen die geplante Abschaffung der Rente mit 63 wird immer lauter. Politiker von CDU und SPD fordern, die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren beizubehalten. Doch das könne sich Deutschland laut Rentenkommission nicht länger leisten. Experten sprechen von der „letzten Chance“ für ein stabiles Rentensystem. In BILD sagen deutsche Arbeitnehmer, was sie von der aktuellen Rentendebatte halten.

„Das ist ungerecht“

Bäckermeister Franz Gehre (29) aus Dresden-Nickern: „Die Abschaffung der Rente mit 63 ist nicht in Ordnung. Ich kann mir nicht vorstellen, länger zu arbeiten. Ich stehe jeden Morgen um 2 Uhr in der Backstube – das kannst du nicht auf Dauer machen. Ich habe mit 16 Jahren angefangen und zahle seither in die gesetzliche Rente ein. Bereits mit 61 Jahren habe ich 45 Beitragsjahre erreicht und muss (durch die Anhebung der Altersgrenze, d. Red.) schon heute länger arbeiten. Das ist ungerecht.“

„67 Jahre – für einen Handwerker eine utopische Zahl“

Matthias Viertel (55), Schreiner aus Cadolzburg (Bayern): „Seit meiner Ausbildung zum Schreiner mit 16 Jahren arbeite ich ununterbrochen. Als Handwerker hat man immer genug zu tun. 67 Jahre sind für einen Handwerker eine utopische Zahl. Selbst wenn man bis dahin gesund bleibt, wird es schwierig. Ich werde das körperlich nicht schaffen, da ich Diabetes habe. De facto wird es wohl so sein, dass ich mit 63 meine Arbeitszeit reduziere und versuche, bis zum Renteneintritt irgendwie über die Runden zu kommen.“

„Ab 60 Jahren bist du durch!“

Das geplante Ende der Rente mit 63 sei „unverschämt“, meint Friseurin Claudia Mihaly-Anastasio (51) aus Freital (Sachsen). „Wirbel, Nacken, Arme und Schultern sind durch. Ich habe drei Bandscheibenvorfälle. Ich weiß gar nicht, wie das gehen soll, mit 70 zu arbeiten. Wir beginnen im Handwerk mit 16 Jahren und arbeiten bereits, wenn andere noch studieren. Ab 60 Jahren bist du durch. Ich biete jedem Politiker gern ein Praktikum an.“

„Was hier passiert, ist eine Riesen-Schweinerei“

Thomas Liederwald (62), Maler aus Leipzig: „Was hier passiert, ist eine Riesen-Schweinerei. Ich habe mit 14 Jahren – also nach der 8. Klasse – angefangen zu arbeiten und will im Oktober nach 48 Arbeitsjahren in Rente gehen. Dann werde ich 63. Ich hoffe, dass das so bleibt. Ich halte es für richtig, dass die Ministerpräsidenten im Osten auf die Barrikaden gehen. Die Politik in Berlin ist nur Theorie, nicht Praxis. Mit 70 Jahren kannst du vielleicht als Maler auf dem Boden liegen und Fußbodenleisten streichen, aber keine Decke mehr tapezieren.“

„Für mich kam die Rente mit 63 nie infrage“

Fleischermeister Edwin Frischkorn (70) aus Eyendorf (Niedersachsen) war 20 Jahre angestellt, führt mittlerweile ein eigenes Geschäft und hat immer freiwillig in die Gesetzliche eingezahlt. „Ich habe mit 14,5 Jahren angefangen und bin seit knapp 56 Jahren ohne Unterbrechung im Berufsleben. Für mich kam die Rente mit 63 nie infrage, weil mir die Arbeit einfach zu viel Freude macht. Zwar bekomme ich inzwischen Rente und bin finanziell nicht darauf angewiesen, weiterzuarbeiten, aber meine Kunden möchte ich nicht im Stich lassen. Zweimal pro Woche stehe ich auf dem Isemarkt in Hamburg. Außerdem führe ich eine Schlachterei mit sieben Mitarbeitern, für die ich Verantwortung trage. Aufhören werde ich erst, wenn ich nicht mehr laufen kann oder mein Team nicht mehr mitzieht.“

„Politiker reden da leicht in ihren klimatisierten Büros“

Foran Müller (56), Dachdecker aus Nürnberg (Bayern): „Die Rente mit 63 sollte bleiben, wenn man 45 Jahre eingezahlt hat. Die Politiker reden da leicht in ihren klimatisierten Büros. Ich arbeite seit meiner Ausbildung zum Maurer mit 16 Jahren durchgehend als Handwerker, seit meinem 27. Lebensjahr als Dachdecker. Ich kann mir nur schwer vorstellen, mit 67 Jahren noch auf dem Dach zu stehen – vor allem bei Hitze und Regen.“

Zoff um Rente mit 63

Das Rentenkonzept der Regierung sieht u. a. vor, dass die Rente mit 63 abgeschafft wird. Das soll die Rentenkasse um rund zehn Milliarden Euro pro Jahr entlasten. Genau dieses Geld soll in den Aufbau der neuen Kapitalrente fließen, sagt Prof. Jörg Rocholl (53), Mitglied der Rentenkommission. „Von dieser Kapitalrente würden gerade die Ostdeutschen profitieren, weil sie für insgesamt höhere Renten sorgt“, erklärt Rocholl. Seine Warnung: Bleibt die Rente mit 63, fehlen jährlich zehn Milliarden Euro zum Aufbau der Kapitalrente. „Wenn es die Ost-Ministerpräsidenten wirklich ernst meinen, dann dürfen sie nicht gegen die Abschaffung der Rente mit 63 sein – sondern dafür“, stellt Rocholl klar.

Doch im Osten ist die Kritik an der Abschaffung der Rente mit 63 groß. Alle fünf Ministerpräsidenten fordern, dass die Rente mit 63 bleibt. Im Westen erklärte unter anderem SPD-Vize und Saar-Regierungschefin Anke Rehlinger (50), sie sei gegen den Vorschlag zur Abschaffung, „weil der dem Respekt vor der Lebensleistung der Menschen widerspricht“.

Wirtschaft ist alarmiert

Arbeitgeber-Chef Steffen Kampeter (63, BDA): „Dass zentrale Elemente des Rentenpakets schon wieder infrage gestellt werden, bevor sie überhaupt umgesetzt sind, macht mich fassungslos.“ Wer an der Rente mit 63 festhalte, ignoriere Fachkräftemangel, Demografie und die Wirtschaftslage. Kampeters Warnung: „So verspielt man vielleicht die letzte Chance, die Rente demografiefest zu machen.“

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